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Im 16. Jahrhundert, zur Zeit des Fürstbischoffs Rudolf Blarer von Wartensee, mussten die Winzer von Ötlingen, von Eimeldingen, Efringen-Kirchen und Schliengen den Zehnten (10% der Ernte) nach Porrentruy als Steuer liefern. So wurden in den Kellereien des Schlosses über 500’000 Liter Wein eingelagert, eine immense Arbeit, wenn man bedenkt, dass die Lieferung per Ochsen- oder Pferdewagen über die holprige Strasse von Pfirt (Ferrette) führen musste. Der Fürstbischoff besass damals auch noch ganz eigene Rebparzellen in Ötlingen, welche heute Martin Buser gehören und die er bewirtschaftet. Welche Rebsorten zu dieser Zeit angepflanzt waren, weiss man nicht aus den Archiven, es wurde nur nach weiss und rot unterschieden. Jedenfalls Gutedel (Chasselas) war es nicht.

Der Gutedel (Chasselas) wurde erst seit 1780 durch den Markgrafen Karl Friedrich von Baden hier eingeführt. Er studierte in Vevey als Jugendlicher und liebte den Wein, den er mit seinen Kommilitonen bei feucht-fröhlichen Ausgängen zu dieser Zeit genoss. Als er zurück kam, hatte er Pflanzgut vom Genferseegebiet mitgebracht und bat die Winzer, diese Rebsorte anzupflanzen.

Der Gutedel (Chasselas) kommt aus Nordägypten, vom Mittel-Nil, aus der Gross-Oase El Fayum, ca. 80 km südwestlich von Kairo, wo er vor 5000 Jahren angebaut wurde. Wie er den Weg nach Savoyen, die Genferseeufer und ins Wallis fand, wissen wir noch nicht, vielleicht waren es Kreuzritter, die ihn zurückbrachten im 9. oder 10. Jahrhundert.

Das Mikroklima am Dreiländereck in der oberrheinischen Tiefebene ist speziell sonnig (450 mm Niederschlag), warm und ist nur 300 m über Meer, es sind die frühesten Rebparzellen der Schweiz. Schon die Römer wussten es und haben die Reben eingeführt. Die Kalklösslehmböden von bis zu 5 m Mächtigkeit ist das Allerbeste für Reben, da konstante Wasserführung und Mineralität garantiert ist, dies bekommt dem Gutedel ganz besonders, dort entwickelt er auch feine Terroirnoten nach gebrannten Mandeln. Frisch trinken (9 - 11° C) um Apero, Spargeln etc. zu begleiten. 2007 war ausserordentlich und ausgeglichen. Gutedel trocken

La Dîme du Prince-Évêque (der Zehnte für den Fürstbischof) ist ein Chasselas auf Lösslehm aus den frühesten Reben der Schweiz. Seine Haselnuss und Mandelaroma begleitet gerne Süsswasserfische, Charcuterie und Apero im Sommer. (11° vol.)  CHF 12.50 / Flasche à 75 cl

Dass die Rauracher schon Rebbau betrieben haben, ist geschichtlich und wissenschaftlich nicht gesichert. Jedoch haben die Römer über die Alpen und über die Burgunderpforte Reben in die Regio basiliensis gebracht. Wo überall schon mit der Monokultur Reben angefangen wurde, kann nicht schlüssig nachvollzogen werden, auch kennt man die lokalen Produktionsvolumen nicht, somit kann auch keine Angaben auf die Flächenausdehnung der Rebkultur im römischen Reich gemacht werden. Jedoch ist es naheliegend, dass die Parzellen an den mikroklimatisch best begünstigsten Standorte seit 2000 Jahren unter dieser Monokultur bewirtschaftet werden, war für die Böden nicht unbedingt optimal ist.

Nebst dem Laufental, dem Kanton Jura wurden zur Zeit des Erzbistums Basel vor allem in den damaligen Exklaven Haltingen-Ötlingen, Effringen und Istein (heute deutsches Markgräflerland) Weinbau betrieben.  In den alten Schriften wurde überliefert, dass im 16. JH 500'000 Liter Wein als den "Zehnten" im Schloss von Pruntrut jährlich gelagert wurden. Eine beträchtliche Menge ! Zudem ist zu verzeichnen, dass seit dem 16. JH die Weinberge von Ötlingen den Wein für den Stift Sankt-Gallen lieferte. Indem Archiv in St.Gallen und in Pruntrut können die Dokumente zur Geschichte des Rebbaus gefunden werden.

Die Weine aus dieser Zeit können nicht mit der heutigen Qualität verglichen werden:

1. Zu dieser Zeit wurde noch sehr anarchisch angepflanzt. Die Reben waren nicht aufgebunden an Drähten. Man hackte von Hand so gut es ging. Die Triebe bedeckten und krochen auf dem Boden herum.

2. Die Öchslewerte ermöglichten keine lange Lagerung, denn mit Weinen von nur 7 - 9° Volumen Alkohol ist im besten Willen nicht eine Lagerfähigkeit möglich.

3. Die Rebsorten und Klone kannte man nicht, veredelt wurde auch nicht, sondern man vermehrte per Wurzelauschlag an Trieben, die zu diesem Zweck eingegraben wurden. Also keine Selektion der besten und angepasstesten Sorten.

4. Quantitative beschränkung gab es nicht. In guten meteorologischen Jahren wurden bis 4 kg "unreife" Trauben pro qm abgelesen, heute wird vom Staat her nur noch 1.4 kg toleriert, einige Produzenten machen heute zur Hebung der Qualität sogar Eigenbeschränkung auf 500 bis 700 g pro qm.

5. In den Kellern wurde mit Holzgeräten, Holzstanden und Holzfässern gearbeitet. So ist es verständlich, dass alle mikrobiellen "Weinkrankheiten" weit verbreitet waren. Oxidation war an der Tagesordnung, Essigstich auch, Brettanomyces mit dem animalischen und phenolischen Geruch auch, Lindbakterien etc. alles konnte man in diesen "Weinen" finden. Kein Vergleich zu heute, wo alles fast hochsteril in Chromstahlbehältern etc. gekeltert wird.

6. Die Hefen waren alle aus der Natur und der Umgebung. Somit war jedes Jahr anders, ein mal mit Glück aromatisch, einmal flach und nur alkoholisch. Dies kann auch noch heute in der Gärung für die Schnäpse bemerkt werden, Studien dazu wurden im Jura diesbezüglich mit ddem Damassine-Schnaps gemacht. Heute wird im Weinbau Sorten bezogen die genau abgestimmten Hefen gewählt, die das Maximum an Typizität aus dem Rebsaft holen.

So gesehen haben die Bemerkungen zur Verkostung der Zeitgenossen aus diesen Jahrhunderten absolut keine Relevanz auf die Qualität der heutigen Weine, die in dieser Region gekeltert werden.

Zweite Hälfte des 19. JH wurde die Reblaus in Region eingeschleppt, danach machte der eingeschleppte falsche Mehltau zu schaffen und somit wurde ein Grossteil der Rebfläche vernichtet.

Ob es gut oder schlecht war, dass die Rebflächen der Nordwest-Schweiz auf fast nichts zusammenschmolzen, überlasse ich dem Leser, für mich jedoch bedeutet es, dass zwischenzeitlich diese Böden sich von der Monokultur erholen konnten und heute, mit den modernen Anbaumethoden werden sie bedeutend weniger beansprucht und liefern dementsprechend bessere, ausgeglichenere und aromatischere Weine.

Übrigens hat "Pro Jura" ein Büchlein gedruckt, das diese geschichtlichen Aspekte des Rebbaus des Bistum Basel umschreibt. Ihnen sei Dank.